Kurzgeschichten

21
Mai
2011

Schriftstellers Leid

Es geschah zwei Tage nach dem mich die Hexe geschossen hatte. Ich konnte mich nicht bücken und musste beim Arzt in die Knie gehen, um meinen Schirm aus dem Schirmständer zu holen.

Als ich nach Hause kam, fand ich einen älteren, um nicht zu sagen, überholten Beitrag in Form eines Gedichts von mir in unserer lokalen Monatszeitschrift.

Das Gedicht war versteckt platziert, weit unten auf der Seite 11, gleich neben dem Rezept für das erfrischende Getränk aus Holunder. Der Redakteur dieser Zeitschrift hatte vor einem Jahr eine Kurzgeschichte von mir veröffentlicht. Die restlichen Manuskripte, auch das Gedicht, schickte er mir zurück mit der Begründung, sie seien zu direkt, oder aufrührerisch. Kurz … er dürfe das nicht veröffentlichen.

Während ich am Küchentisch saß und mir den schmerzenden Rücken hielt, überlegte ich, woher der Mann das Gedicht hatte.

Mein Blick fiel auf das Rezept für das Holundergetränk: „¼ l Weinessig, 10 Holunderdolden und eine Zitrone mit zehn Litern Wasser ansetzen“ …Man hat es nicht leicht hier in der Provinz, wenn man seine Gedichte an die Öffentlichkeit bringen will, dachte ich.

„Hiernach siebt man die Flüssigkeit ab, füllt sie in Flaschen und stellt sie luftdicht in den Keller.“

Geschrieben von: Heidrun Böhm Kategorie: Kurzgeschichten

30
Mai
2011

Hochzeit - Scheidung

Es war ein wunderschöner Sommertag. Es wehte ein lauer Wind. Schmetterlinge flogen von Blume zu Blume und Bienen bevölkerten die Blüten.Auf der riesigen Grünfläche vor den Reihenhäusern spielten lachend und kreischend die dort wohnenden Kinder.

Ein Planschbecken sorgte zusätzlich für einen  beachtlichen Geräuschpegel. Eine alte Dame drohte mit Anruf bei der Polizei, wenn die Kinder nicht leiser sein würden.

Ich rief zurück, dass ich mich dann gleichfalls beschweren würde, weil ihre Klospülung Tag und Nacht liefe und ihr Köter den ganzen Tag kläfft.    Schwupps……, war sie verschwunden.

Es klingelte an der Türe. Ich öffnete und vor mir standen meine Tochter Linda und der Nachbarjunge Marcel. Auf meine Frage hin, was sie denn wollten, kicherten die beiden Fünfjährigen um die Wette. Sie stießen sich gegenseitig an, hielten sich mit ihren kleinen schmutzigen Händen die Münder zu und stampften von einem Bein auf das andere, um dann loszulassen, dass sie ein Geheimnis hätten.

Es war lustig, zu beobachten, wie sie fast platzten, um ihr so genanntes Geheimnis los zu werden.

Geschrieben von: Christiane Rühmann Kategorie: Kurzgeschichten

Kommentare im Autorenblog

  • He, das ist ja total toll. Meine Shutzengel kenne ich ja mit Namen, aber dass Raphael auch noch für mich da ist,in so...

    Christiane Rühmann

    12. Februar, 2012 |

  • Hallo Christiane...da hatte der Jens wohl so etwas wie einen siebten Sinn..eine Vorahnung...Manche Menschen haben diese Gabe....Grüßle:...

    Heidrun Böhm

    21. Januar, 2012 |

  • Liebe Heidrun,
    dann ist es nur allzu verständlich und ergibt einen vollkommen anderen Sinn.

    Ich wünsche Dir und Deinen Lieben ein...

    Christiane Rühmann

    23. Dezember, 2011 |

  • Hallo Christiane....ja, so kann man dieses Gedicht auch verstehen..Allerdings ist es ein Gedicht über meine geistig behinderte...

    Heidrun Böhm

    23. Dezember, 2011 |

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